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Gedanken eines Bewohners

Es stellen sich mir ein paar Fragen, wichtige Angelegenheiten. Sie mögen Dir möglicherweise sonderbar erscheinen, dennoch würde ich mich freuen, wenn Du diese Anliegen ernst nimmst. 

  • Weißt Du meinen Namen? 
  • Weißt Du etwas über meine Krankheit und ihre Folgen? 
  • Weißt Du, was, wie, wann und wieviel ich gerne esse und trinke? 
  • Weißt Du, dass ich über mein Schamgefühl bisweilen nicht reden kann oder möchte? – Vielleicht kannst Du mir dabei helfen, es irgendwann doch zu tun? 
  • Weißt Du, dass ich gelegentlich ängstlich bin? – Gibst Du mir z. B. die richtigen Medikamente, lässt Du mich fallen, wenn Du mich vom Bett in den Rollstuhl setzt? 
  • Weißt Du, wie schwer es ist, abhängig zu sein, beziehungsweise wie sehr bedrückend der Gedanke ist, es zu werden? Das könnte ein Grund für die ein oder andere unverständliche Reaktion von mir sein. 
  • Weißt Du, was ich bisher in meinem Leben bewältigt habe, was mich müde und manchmal misstrauisch macht? Habe ich nicht das Schwerste noch vor mir? 
  • Weißt Du, dass ich mich oft nicht deutlich ausdrücken kann? Sei es, weil ich es nicht gelernt oder es verlernt habe – dies macht es mir übrigens auch schwer, meine Zuneigung auszudrücken. 

 




Du willst mir helfen – und ich bin abhängig von Dir! Bitte bewahre Dich und mich davor, dass Du diese Tatsache als Macht ausspielst, anders käme ich eventuell in die Versuchung, Deine Schwächen für mich auszunutzen. Meine Empfindsamkeit ist groß, deshalb kann es sein, dass ich Dich verletze, um mich zu schützen. Ich bin mit der Zeit sehr sensibel geworden, und so spüre ich genau, ob Du mich als Persönlichkeit achtest und behandelst. Deine Art des Handels bewirkt bei mir Erwiderung. 


Ich denke viel an die Zeit, in der ich wie Du unabhängig, leistungsfähig und frei war, in der ich anderen Freude bereiten und gegebenenfalls auch helfen konnte. Jetzt bin ich vollständig auf Dich und Deine Hilfe angewiesen. Deine Kraft, Dein Mut und Dein Feingefühl, Deine Fröhlichkeit, Dein Umgangston und Deine Freundlichkeit – diese Dinge helfen mir besonders, mit ihnen kann und möchte ich leben. 


Solltest Du am Anfang Schwierigkeiten haben oder unsicher sein, dann ist das unsere gemeinsame Sache. Miteinander die Zeit zu verbringen, bedeutet halbe Last und Trauer, aber zugleich doppelte Freude. 


So betrachtet wird für uns beide in der kommenden Zeit das Gute überwiegen – lass uns anfangen!!!! 


Ich heiße Dich herzlich willkommen bei mir!!